Während Öltanker händeringend nach einer sicheren Passage durch die Straße von Hormus suchen, navigieren Anlegerinnen und Anleger angesichts einer immer länger werdenden Liste an Marktsorgen durch höchst ungewisse Gewässer. Geopolitische Risiken stehen dabei natürlich an vorderster Front, während die hartnäckige Inflation und steigende Ölpreise die Aussichten auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank dämpfen. Hinzu kommen ein schwächelndes BIP-Wachstum und das disruptive Potenzial von KI – von den Zwischenwahlen in den USA ganz zu schweigen! Sehen Sie es mir nach, falls ich etwas vergessen habe; es passiert derzeit einfach zu viel auf einmal.
Während ich diese Zeilen schreibe, liegt der S&P 500 seit Jahresbeginn mit über 7 % im Minus. In Gesprächen mit zahlreichen Kunden spüre ich die Sorge vor weiteren Kursrückgängen. Eine mögliche Option sind hier alternative Investments, allen voran aktienmarktneutrale Strategien. Bei korrekter Umsetzung können aktienmarktneutrale Strategien positive Renditen erzielen, ohne dass die Anlegerin bzw. der Anleger dem direkten Marktrisiko ausgesetzt ist.
Vereinfacht gesagt: Fondsmanager kaufen Aktien, denen sie eine Überlegenheit zutrauen (Long-Positionen), und verkaufen geliehene Aktien, bei denen sie eine Underperformance erwarten (Short-Positionen). Infolgedessen hängen Risiko und Ertrag weniger von der allgemeinen Marktrichtung als vielmehr von der Performance und Positionierung der ausgewählten Wertpapiere ab.
Wenn beispielsweise alle Aktien in einem breit angelegten Abverkauf fallen, können Manager Gewinne erzielen, wenn die Short-Positionen stärker fallen als die Long-Positionen. Sollte sich der Markt erholen und alle Aktien steigen, können Manager Gewinne erzielen, wenn ihre Long-Positionen die Short-Positionen im Aufstieg schlagen. Wenn einige Aktien an Wert gewinnen und einige an Wert verlieren, kommt es auf das richtige Händchen bei der Einzeltitelauswahl an – die Mischung aus Long und Short muss in der Summe aufgehen. Entscheidend ist also nicht welche Richtung der Markt einschlägt, sondern wie die Titel im Portfolio des Managers abschneiden.
Historisch gesehen wies dieser Ansatz eine geringe Korrelation zu klassischen Aktien und Anleihen auf – insbesondere in Krisenzeiten wie dem Platzen der Dotcom-Blase oder der globalen Finanzkrise war die Korrelation sogar noch niedriger. Während des Dotcom-Crashs entwickelten sich aktienmarktneutrale Strategien sogar entgegengesetzt zum Markt. Kurz gesagt: Aktienmarktneutrale Strategien hielten ihr Versprechen genau dann, wenn es darauf ankam.
Während institutionelle Anlegerinnen und Anleger diese Vorteile seit Jahrzehnten nutzen, scheinen Kleinanlegerinnen und Kleinanleger das Segment der Alternatives noch weitgehend zu ignorieren. Laut Morningstar-Daten entfällt weniger als 1 % des gesamten Investmentfondsvermögens auf diese Anlageklasse. Für Beraterinnen und Berater bietet sich hier die Gelegenheit, Aufklärungsarbeit zu leisten: Sie können ihren Kundinnen und Kunden zeigen, wie aktienmarktneutrale Strategien dabei helfen können, das Depot sicher durch diese unsicheren Zeiten zu steuern.





